Über mich

1988 – 1993

Die Anfänge

Ich wurde 1988 in einem Land geboren, was es heute offiziell nicht mehr gibt: Der Kasachischen Sozialistischen Sowjetrepublik. Die Vorfahren auf väterlicher Seite waren Wolgadeutsche, die meiner Mutter russisch – und beide sind durch historische Zufälle in diesem sehr fernen Teil der Erde gelandet.

Nach dem Fall der Sowjetunion gab es einen großen Umbruch: Neue Länder, neue Wirtschafssysteme, neue Politiker sollten zumindest in der Theorie ganz neue Chancen eröffnen – in der Praxis gab es jedoch zuallererst nur Chaos und Unsicherheit in den ersten Jahren.

Meine Eltern versuchten in der Zeit zu gedeihen und suchten Ihre Erfolge im Unternehmertum (mein Vater) oder akademisch (meine Mutter als Molekularbiologin). Frustriert durch Korruption und schwindenden Perspektiven packten Sie einen Bruchteil Ihrer Sachen und zogen in das Land meiner Urahnen, nach Deutschland, um von Neuem zu beginnen.
Die ersten Jahre waren sicherlich nicht immer einfach, aber definitiv turbulent und ereignisreich.

1993 – 2010

Erste Unternehmerische Versuche

Das Aufwachsen als Kind und Jugendlicher in Hamburg bedeutete für mich das Navigieren zwischen 2 Welten: Auf der einen Seite coole Kids in der Nachbarschaft mit denen ich gerne meine Freizeit verbrachte und Fussball spielte – für die Bildung aber keine große Priorität war und die auch keine riesigen Zukunftspläne für sich schmiedeten; ein bilinguales Gymnasium mit engagierten Lehrern und Schülern am anderen Ende der Stadt, Klavierunterricht und viele Bücher auf der anderen Seite.

Zudem war ich auch ein schwieriger Schüler für meine Lehrer: Zwar mit guten Noten, aber auch sehr laut, ungeduldig und den Unterricht störend. In der heutigen Zeit würde man Kinder mit solch einem Verhalten mit ADHS diagnostizieren und mit Medikamenten vollstopfen. Damals fanden meine Lehrer glücklicherweise eine Alternative: Sie ließen mich zweimal jeweils eine Schulklasse überspringen, in der Hoffnung, dass ich weniger gelangweilt und konzentrierter werde. Dafür bin ich bis heute sehr dankbar, denn diese Entscheidung hat mich wohl davor bewahrt, von der Schule geschmissen zu werden.

Mit viel überschüssiger Energie ausgestattet versuchte ich mich an den Wochenenden in meinen ersten unternehmerischen Aktivitäten: Ein eigener Stand auf dem lokalen Flohmarkt, Zeitungsausträger in meiner Nachbarschaft und Tellerwäscher in einem bayrischen Restaurant. Mit 15 Jahren startete ich dann mit Schulfreunden unser erstes gemeinsames Unternehmen: Wir importierten Holzuhren aus Asien, die wir zu hanseatischen Spieluhren umfunktionierten und den lokalen Souvenirshops anboten. Das Unternehmen war nach jeglichen objektiven Standards nicht wirklich ein Erfolg: Wir verkauften nicht all zu viele Spieluhren und unsere Freunde & Familien mussten die verbleibenden Produkte aufkaufen, damit wir zumindest unsere Anfangsinvestition zurück erlangen konnten.

Diese ersten unternehmerischen Versuche hatten jedoch Ihr Gutes: Sie prägten mich ungemein indem Sie mir den Stellenwert von harter Arbeit vor Augen führten, genauso wie die Erkenntnis, dass man immer dranbleiben muss, egal wie schmerzhaft dies manchmal sein kann.

Das Unternehmertum-Fieber hatte mich gepackt!

Meine Universitätsjahre waren ein sogenannter Game-Changer für mich und meine Karriereträume: Eine neue Generation an Unternehmern, alle mit damals verrückten Ideen für Internetgeschäftsmodelle, kamen regelmäßig als Alumni zurück an die WHU Otto-Beisheim-School um Ihre Unternehmen vorzustellen. Ihr Ziel: Möglichst viele Studenten davon zu überzeugen, den Sommer mit einem kostenlosen Praktikum bei Ihnen zu verbringen. Die Leidenschaft und das unnachgiebige Verkaufen überzeugten mich: Einen großen Teil meines Studium verbrachte ich in Praktika bei unterschiedlichen Tech-Unternehmern, die mir die Do’s und Dont’s zum Aufbau und der Skalierung von Geschäftsmodellen beibrachten und über die Zeit zu persönlichen Mentoren wurden

Vor allem lehrten Sie mich, dass man vor allem Mut und natürlich ein wenig Glück brauchte, um ein erfolgreicher Unternehmer zu werden.

 

 

2011 – 2012

Casacanda und der Exit im Sprint

Nach meinem Studium zog ich 2011 mit meinen 2 Freunden Christian Tiessen & Sascha Weiler nach Berlin um Casacanda zu gründen, einen Shopping Club für Möbel und Wohnaccessoires.
Wir arbeiteten und lebten in einer zu einem Büro umfunktionierten Wohnung am Rosenthaler Platz.

Unsere Kunden hatten bei Casacanda die Gelegenheit, Designerprodukte zu großen Discounts zu erwerben. Marken und Designer liebten uns, weil Sie durch uns neue Kunden über das Internet erreichen konnten und Überproduktion und alte Kollektionen verkaufen konnten.

Nichts und niemand kann einen auf das Gefühl vorbereiten, das erste eigene Unternehmen zu führen – du musst es einfach selbst durchleben.

Wir arbeiteten Tag und Nacht und hatten viele Erste Male: Das erste Mal Mitarbeiter einstellen & entlassen, Kundenanfragen abends und an Wochenenden beantworten, selbst Bestellungen vor Weihnachten aus einem improvisierten Lager verschicken. Unser Einsatz half uns dabei, jeden Teil der Organisation von Grund auf zu verstehen – skalierte aber natürlich überhaupt nicht. Wir kompensierten unsere Unerfahrenheit durch lange Nächte und schnelles Lernen. Viele kleine Fehler, schnelle Iterationen und ständiges Aufstehen und Von-Neuem-Probieren sollten zu unserem Erfolgsrezept werden.

Im Februar 2012, nur 7 Monate nach Gründung unserer Firma und 5 Monate nach Go-Live wurden wir von der US-Firma Fab.com angesprochen mit einem Übernahmeangebot. Nach kurzer, aber intensiver Überlegung entschieden wir uns, die Welt gemeinsam zu übernehmen. Der Verkauf war einer schnellsten erfolgreichen Exits in Europa und zusätzlich  vom jüngsten Gründerteam.

Ich war 23 Jahre alt und auf Wolke 7.

Schnell wurde mir klar, dass sich die Arbeitsweise eines leitenden Managers mit limitierten Freiheiten und sehr viel mehr Unternehmenspolitik sehr anders ist als die eines Unternehmers.

Anstelle von Dankbarkeit für die Möglichkeit in so jungen Jahren Teil eines $1bn-Unicorns zu sein und über 150 Mitarbeiter in Europa zu leiten wurde ich sehr schnell frustriert und deprimiert.

Die Wege von Fab.com & mir trennten sich knapp einem Jahr nach der Akquisition.

2013 – 2015

Amorelie und Love is in the Air

Einige Woche nachdem ich Fab.com verlassen hatte traf ich Sebastian Pollok, einen guten Universitätsfreund, der soeben aus San Francisco zurückgekehrt war um etwas Eigenes zu starten.

Wir setzen uns wochenlang zusammen und diskutierten unterschiedlichste Geschäftsmodelle – aber nichts überzeugte uns so richtig. Beim Mittagessen erwähnte ich dann eher zufällig, dass die Allzeit-beste Kampagne bei Fab.com der Verkauf von Designer-Vibratoren mit Frauen als Zielgruppe gewesen ist – warum nicht eine für Frauen ansprechende Online-Marke für das Liebesleben kreieren?
Wir erzählten einer gemeinsamen Freundin, Lea Cramer, davon, die ebenfalls fasziniert war, wie das Thema Liebesleben durch den Buch-Bestseller „50 Shades of Grey“ im weiblichen Massenmarkt salonfähig geworden ist.

Das klang alles nach einer Idee, die so verrückt war, dass Sie funktionieren musste!

Wir machten uns direkt an die Arbeit – und nannten das Unternehmen Lucy Sparks (siehe das allerste Pitch Deck links im Bild). Glücklicherweise hatten wir genügend weibliche Bekannte, die uns von dem Namen abbringen konnten – und entschieden uns Amorelie.

Ich setzte alles auf eine Karte und investierte einen Großteil meines Vermögens in das Unternehmen als „Gründungsinvestor“.

Ein paar Tage nach dem Investment fanden wir heraus, dass sowohl google als auch Facebook uns jegliche Marketingaktivität untersagten da wir unter anderem Sexspielzeugen verkauften. Ebenfalls sagten uns nahezu alle institutionellen Investoren ab, aus Angst Ihre konservativen institutionellen Investoren zu verlieren. Bevor das Unternehmen durchstarten konnte, kam es fast zu einem vollständigen Stillstand.

Das Team um Sebastian & Lea drehte diesen Nachteil in den kommenden Monaten in Ihre größte Stärke und machte Amorelie zu einem der kosteneffizientesten Unternehmen im E-Commerce.

Keine 2.5 Jahre nach Start de Unternehmens kaufte das Medienunternehmen Pro7Sat1 Amorelie in 2015 und bewertet es aktuell mit einem Firmenwert von knapp €100m.

 

 

 

2013 – 2018

Lesara und aus Herausforderungen lernen

Nach Möbel, Wohnaccesssoires und Unterwäsche nahm ich die größte Kategorie im Handel ins Visier: Mode.

Die Industrie schien zu dem Zeitpunkt reif für Disruption und genau da setzte ich mit Lesara an.

Die Grundidee des Unternehmens ist es gewesen, nachgefragte Modetrends automatisiert über Datenanalyse zu erkennen und Produkte innerhalb von wenigen Tagen zu designen, zu produzieren und für erschwingliche Preise auf den Markt zu bringen.
Die nächste Evolution in der Modeindustrie nach H&M/Zara, welche wir „Agile Retail“ nannten.

Aus vielerlei Hinsicht ist Lesara das beste Unternehmen gewesen, dass ich führen durfte: Wir haben unzählige Awards gewinnen können für unsere Unternehmenskultur, für Innovationen in der Supply Chain, Technologie und im Marketing. Das Unternehmen wurde zwei Jahre in Folge zum schnellst wachsenden Tech-Unternehmen Europas gekürt.
Und ich war von Teammitgliedern umgeben, die in vielen Bereichen besser, smarter und erfahrener waren als ich.

Trotz all der initialen Erfolge und harter Arbeit mussten wir unser Geschäftsmodell nach knapp 5 Jahren einstellen.

Es gab viele interne und externe Gründe für die finale Einstellung des Unternehmens: Von zu vielen komplexen, zeitgleichen Projekten, den großen Investitionen in unser eigenes Distributionszentrum, dem subventionierten & teilweise illegalen Wettbewerb aus China und insbesondere dem abflauenden Appetit von Investoren für E-Commerce Unternehmen (siehe auch z.B. die Verluste von Home24, Westwing, Forever21).

Am Ende des Tages war das Resultat dasselbe: Ich konnte keine externen Kapitalgeber finden, die in ein schnell wachsendes Mode-E-Commerce-Unternehmen investieren wollten.

Das Verkaufen und Abwickeln des Unternehmens war mental sicherlich die schwierigste Aufgabe, die ich bis dato in meinem Leben zu erfüllen hatte. Wir haben alles gegeben und gekämpft, und es trotzdem nicht ganz geschafft.

Die ganze Erfahrung war riesig schmerzhaft, auch weil wir viele Leute, die an uns glaubten, durch das Endresultat natürlich enttäuscht haben.

Ich bin aber gleichzeitig unheimlich dankbar für die Unterstützung die wir als Team, aber auch ich persönlich, in dieser schwierigen Zeit erfahren haben.

„Es geht nicht darum, wie hart du Zuschlagen kannst. Es geht darum, wie hart du getroffen werden kannst und trotzdem weitermachst“ – dieses Zitat von Rocky Balboa fasst mein größtes Learning aus Lesara besser zusammen als ich es je machen könnte.

Die Grenzerfahrung hat aus uns allen bessere Unternehmer, Manager und auch Menschen gemacht.

 

2015 – 2019

Fitvia & die richtigen Wellen reiten

Und Weitermachen ist das, was ich gemacht habe.

In 2014 startete Sebastian Merkhoffer, ein ehemaliger Praktikant aus meiner ersten Firma Casacanda/Fab.com, sein eigenes Unternehmen Fitvia.

Was initial als Hobbyprojekt nach der Arbeit begann, wurde sehr schnell sehr erfolgreich. In 2015 setzten Sebastian & ich uns zusammen und er bat mich bei Fitvia als Investor und Berater einzusteigen.
Obwohl ich nicht 100% überzeugt von der Idee war, Detox-Tee über Instagram zu verkaufen (Sebastian war seiner Zeit in dieser Hinsicht 2-3 Jahre voraus), war ich beeindruckt von seinem Drive, Ambition und seiner Bereitschaft alles für den Erfolg zu tun.

Über 4 Jahre hinweg arbeiteten wir eng zusammen und sahen wie aus einem Online-Tee-Shop relativ schnell die führende Instagram-Marke für Wellness & Gesundheit wurde. Fitvia war einer der Pioniere für das Erreichen einer jungen Zielgruppe über exklusive Zusammenarbeit mit Influencern via Instagram.

Fast Forward 2020: Das Unternehmen war seit Gründung jedes einzelne Quartal profitabel und wächst bis zum heutigen Tag über Landesgrenzen und Produktkategorien hinweg.

Diese Erfolgsgeschichte ist auch vielen Strategen und Finanzinvestoren aufgefallen, sodass das börsennotierte Dermapharm das Unternehmen im Sommer 2019 für einen hohen zweistelligen Millionenbetrag kaufte – einer der größten Exits in Europa für Unternehmen ohne Wagniskapital.

 

Die Unternehmer von Morgen unterstützen & fördern

Im Herzen bin ich Vollblutunternehmer und genieße das operative Aufbauen und Skalieren – gleichzeitig ist es mir wichtig, Unternehmertum und neue, innovative Ideen in unserem Ökosystem voranzubringen.
Deshalb unterstütze ich seit 2013 Tech-Unternehmer dabei, Ihre Ideen zu verwirklichen und daraus große Unternehmen werden zu lassen – insbesondere in den folgenden Kategorien:

1. Consumer Internet/ Consumer Brands: Mit großem Fokus investiere ich in Unternehmen, die innovative Produkte und Dientsleistungen für Konsumenten aufbauen können – in der Vergangenheit unter anderem Sunshine Smile, FlowerChimp, Caprice oder TodayTickets, um nur einige zu nennen.

2. B2B / SaaS: Da unsere Unternehmen vielfach mit ausgezeichneten Dienstleistern und Software-Unternehmen zusammenarbeiten, kam die Ausweitung des Investmentfokusses auf B2B/ Software as a Service Unternehmen relativ natürlich und zeitnah. Zum Portfolio gehören Unternehmen aus den Bereichen HR Tech (MoBerries), Adtech (Kayzen, RetargetApp) oder auch Logistics (SevenSenders).

3. Alumni-Gründungen: Besonders stolz macht es mich, wenn ehemalige Mitarbeiter ermutigt und inspiriert werden, Ihre Ideen zu verwirklichen und eigene Unternehmen zu gründen. So sind über die letzten Jahre viele Erfolgsgeschichten aus dem Kreise ehemaliger Casacanda/Lesara-Mitarbeiter entstanden wie zum Beispiel Juniqe, Fitvia, Homebell, Savedo, TierMobility oder Yepoda.

Alle Unternehmensgründungen und Investitionsaktivitäten sind in der Rapid Pioneers Group zusammengefasst, wo Kapital, exzellente Geschäftsmodelle und ambitionierte Gründer zusammentreffen.